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Wie beurteile ich die qualität einer lackierung: welche fehler verraten schlampige vorarbeit?

Wie beurteile ich die qualität einer lackierung: welche fehler verraten schlampige vorarbeit?

Wenn ich vor einem frisch lackierten Oldtimer stehe, suche ich nicht nur nach dem glänzenden Ergebnis – ich suche nach Hinweisen auf die Arbeit, die dahintersteckt. Eine schöne Lackierung kann ein Auto verwandeln, aber schlechte Vorarbeit verrät sich schnell, selbst wenn die Oberfläche zunächst perfekt aussieht. In diesem Artikel teile ich meine Erfahrung aus Werkstatt und Restaurierung: Wie beurteile ich die Qualität einer Lackierung und welche Fehler verraten schlampige Vorbereitung?

Der erste Blick: Was fällt sofort ins Auge?

Beim ersten Rundgang schaue ich auf Gesamtwirkung und Details. Ein hochwertiger Lack hat eine gleichmäßige Farbtiefe und Reflexion über große Flächen, Übergänge zwischen Bereichen (Kotflügel, Türen, Haube) sind harmonisch. Achte besonders auf:

  • Unregelmäßige Glanzgrade (zonenweise matte Stellen)
  • Orangenhaut oder wellige Strukturen
  • Lacknasen, Läufer oder Tropfen
  • Unsaubere Kanten an Sicken oder Kanten
  • Diese Dinge sind oft das Ergebnis von Zeitdruck, falscher Spritztechnik oder unzureichender Reinigung vor dem Lackieren.

    Oberflächenanalyse aus der Nähe

    Ich arbeite mich dann mit näherem Blick vor, manchmal sogar mit einer Lupe oder einer starken Taschenlampe. Dabei interessieren mich:

  • Staubeinschlüsse: kleine punktuelle Unebenheiten, die wie angedötschte Punkte im Klarlack aussehen. Sie entstehen durch Staub auf der Oberfläche während des Lackauftrags oder durch kontaminierte Luft im Lackierbereich.
  • Öl- oder Fettreste: diese zeigen sich oft als matte Flecken, bei denen der Lack schlecht haftet oder sogar abblättert. Ursache ist meist fehlende Entfettung vor der Grundierung.
  • Dellen, Beulen oder schlechter Füllerauftrag: wenn die Oberfläche Unebenheiten zeigt, ist häufig die Spachtel- oder Füllerschicht mangelhaft.
  • Die Kante als Wahrheitsfinder

    Eine der besten Stellen, um die Qualität zu prüfen, sind Kanten und Innenseiten von Türen, Kofferraumdeckel und Motorhaube. Dort sieht man, wie sorgfältig abgeklebt, angeschliffen und grundiert wurde. Sehr häufige Mängel:

  • Ungleichmäßiger Auftrag an Kanten – zu dünn oder mit Tropfen.
  • Offene Nähte mit Rostansatz, der nur oberflächlich überlackiert wurde.
  • Übermäßige Farbe, die beim Schließen der Tür an anderen Teilen klebt.
  • Wenn an diesen kritischen Stellen geschlampt wurde, ist das oft ein Zeichen dafür, dass auch die versteckten Bereiche nicht ordentlich vorbereitet wurden.

    Farbton und Lackaufbau

    Bei klassischen Fahrzeugen ist der Farbton oft entscheidend für den Wert. Ich vergleiche deshalb sichtbare Bereiche mit Referenzstellen wie Innenseiten der Türrahmen oder unter der Motorhaube, wo Originalfarbe meist erhalten bleibt. Ungenauigkeiten zeigen sich durch:

  • Farbunterschiede zwischen Bauteilen (auch wenn nur minimal).
  • Metallflocken oder Perleffekt nicht gleichmäßig verteilt – entsteht durch unsachgemäßes Mischen oder schlechte Spritztechnik.
  • Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Dicke des Lackaufbaus. Profi-Lackierer verwenden Schichten: Rostschutz / Füller / Basislack / Klarlack. Ist eine Schicht zu dünn oder fehlt ganz, merkt man das später an Rissbildung oder schlechter Haltbarkeit.

    Haptik und Lackspannung

    Ich fahre mit der Hand über die Oberfläche: ein gleichmäßiges, samtiges Gefühl spricht für guten Klarlack. Wenn der Lack gespannt wirkt oder kleine "Pelltjes" bildet, dann wurden entweder falsche Trocknungszeiten eingehalten oder der Klarlack war mit zu hoher Temperatur appliziert.

  • Springende Spannungen (Cracking) deuten auf Inkompatibilität der Produkte (z. B. falscher Füller unter einem anderen Basislack).
  • Wenn sich der Lack beim Drücken leicht eindrücken lässt, wurde möglicherweise mit zu wenig Füller gearbeitet oder der Untergrund ist porös.
  • Die Rolle der Vorbereitung: Was oft falsch gemacht wird

    Aus jahrelanger Restaurierungspraxis kenne ich einige immer wiederkehrende Fehler in der Vorbereitung:

  • Unzureichende Rostentfernung: Rost "unter" dem Lack kommt früher oder später wieder durch.
  • Schleifstaub nicht entfernt: Staub auf der Oberfläche sorgt für matte Stellen und schlechte Haftung.
  • Fehlerhaftes Maskieren: Spritznebel in Innenräumen oder ungleichmäßige Übergänge an Kanten.
  • Falsche oder billige Materialien: Günstiger Füller oder Klarlack kann auf den ersten Blick funktionieren, verliert aber schnell an Glanz oder Schutz.
  • Tabelle: Häufige Lackfehler, Erscheinungsbild und Ursache

    Fehler Erscheinungsbild Wahrscheinliche Ursache
    Orangenhaut Ungleichmäßige kleine Hügel auf der Oberfläche Falsche Spritzdüse, zu dicke Schichten, unpassende Temperatur
    Staubeinschlüsse Kleine Punkte oder Krater Staub in der Lackierkabine, schlechte Reinigung
    Lacknasen/Läufer Vertikale Tropfen oder Verdickungen Zu viel Material pro Schicht, schlecht kontrollierter Sprühgang
    Matter Fleck Mattes Areal im Glanz Fett/Öl auf der Fläche, unzureichende Entfettung
    Abplatzen Lack blättert ab Fehlerhafte Haftung, Rost darunter, falsche Schichtfolge

    Praktischer Test: Fingernagel- und Klebebandprobe

    Ich verwende manchmal einfache Tests, um schnell zu prüfen, wie fest der Lack gebunden ist. Mit dem Fingernagel sanft an einer unauffälligen Stelle kratzen (ohne Verletzung der darunterliegenden Schicht) lässt oft erkennen, ob der Klarlack nur oberflächlich haftet. Ebenso kann ein kleines Stück Malerkrepp helfen: fest aufkleben und mit einer schnellen Bewegung abziehen. Wenn Lackpartikel mitkommen, ist die Haftung schlecht — oft eine Folge ungenügender Entfettung oder falscher Schichtkompatibilität.

    Tipps, bevor du bezahlst oder restaurieren lässt

  • Frage nach der Lackierhistorie: Welche Produkte wurden verwendet? Wurde entrostet und gefüllt? Gab es Reparaturstellen?
  • Fordere Detailfotos, vor allem von Kanten, Unterseiten und Innenräumen.
  • Wenn möglich, schaue dir das Fahrzeug in verschiedenen Lichtverhältnissen an (Sonne, Kunstlicht). Manche Fehler kommen nur bei schrägem Licht zum Vorschein.
  • Vertraue deinem Gefühl: Eine Lackiererei mit sauberer Kabine, klarer Kommunikation und Referenzen ist oft die bessere Wahl als der billigste Anbieter.
  • Ich habe schon oft erlebt, wie ein makelloses Äußeres später Probleme zeigte, weil in der Eile bei der Vorbereitung gespart wurde. Guter Lack ist nicht nur Optik — er ist Schutz für Jahrzehnte. Deshalb lohnt es sich, beim Lackierer nicht nur das Endergebnis zu bewundern, sondern in die Details zu schauen und Fragen zu stellen.

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