Als ich das erste Mal einen Kostenvoranschlag für eine umfassende Restauration auf dem Tisch liegen hatte, war ich überfordert: Zahlenkolonnen, schwammige Formulierungen und eine Menge kleiner Posten ohne Erläuterung. Seitdem habe ich gelernt, Angebote zu lesen, zu hinterfragen und vergleichbar zu machen. In diesem Artikel teile ich meine persönliche Checkliste für transparente Nachkalkulationen — damit du nicht überrascht wirst und dein Klassiker später nicht ein finanzielles Fass ohne Boden wird.
Warum Vergleichen wichtig ist
Ein Angebot sagt mehr aus als der Endbetrag. Es offenbart die Vorgehensweise der Werkstatt, die verwendeten Materialien, die Erfahrungswerte und die Risikobereitschaft des Betriebes. Ein niedriger Preis kann attraktiv wirken, aber oft sind Leistungen fehlen oder werden später nachberechnet. Ich habe schon Projekte gesehen, bei denen vermeintliche Schnäppchen durch mehrfaches Nachberechnen teurer kamen als ein transparentes, höheres Angebot.
Vor dem Einholen von Angeboten: Vorbereitung
Bevor ich eine Werkstatt anfrage, dokumentiere ich den Ist-Zustand meines Fahrzeugs gründlich: Fotos von allen Seiten, Motorraum, Unterboden, Innenraum, Roststellen und laufende Defekte. Außerdem sammle ich Papiere: Fahrgestellnummer, vorhandene Rechnungen, Ersatzteilhistorie. Diese Unterlagen schicke ich mit einer kurzen Leistungsbeschreibung an die Werkstätten — je konkreter, desto besser.
Meine Checkliste für ein transparentes Angebot
- Leistungsumfang klar definieren: Welche Arbeiten sind inkludiert? (Karosserie, Schweißen, Spachtel, Lack, Mechanik, Elektrik, Innenausstattung)
- Stundenverrechnungssatz: Welcher Stundensatz wird angesetzt und wie viele Stunden sind veranschlagt?
- Material- und Teilekosten: Werden Originalteile, Nachfertigungen oder Reproduktionen verwendet? Marken nennen (z. B. Bosch, Lucas, Bilstein) kann Klarheit schaffen.
- Externe Leistungen: Welche Arbeiten werden fremd vergeben (Pulverbeschichtung, Chrom, Sattlerei) und mit welchen Kosten?
- Unvorhergesehenes: Wie wird mit Mehrarbeiten umgegangen? Gibt es Höchstgrenzen oder wird vor Ausführung angerufen?
- Abrechnungsart: Pauschalpreis, Einheitspreise oder stundenbasierte Abrechnung?
- Teileverzeichnis: Auflistung der wichtigsten zu ersetzenden Teile mit Einzelpreisen.
- Zeitrahmen: Starttermin, geschätzte Dauer und Pufferzeiten.
- Garantie & Gewährleistung: Auf Lack, Arbeit und verbaute Teile.
- Payment-Bedingungen: Anzahlungen, Zwischenzahlungen, Schlussrechnung und Zahlungsziel.
- Dokumentation: Werden vor und nach Arbeiten Fotos gemacht? Gibt es ein digitales Protokoll?
Fragen, die ich jeder Werkstatt stelle
- Haben Sie Erfahrung mit diesem Modell oder dieser Baureihe?
- Kann ich Referenzfahrzeuge oder frühere Projekte sehen?
- Wer führt die Schweiß- und Karosserierarbeiten aus (eigene Mitarbeiter oder Subunternehmer)?
- Wie dokumentieren Sie Mehrarbeiten — schriftlich oder telefonisch?
- Welche Lackierverfahren und -produkte verwenden Sie (z. B. Glasurit, Standox)?
- Arbeiten Sie nach Restaurierungsstandards (patina-erhaltend, concours, driver-resto)?
Wie ich Angebote vergleichbar mache — Schritt für Schritt
Unterschiedliche Werkstätten formulieren Angebote anders. Ich übertrage alle Positionen in eine Vergleichstabelle mit einheitlichen Kategorien: Karosserie, Mechanik, Elektrik, Innenraum, Lack, Zusatzleistungen. So sehe ich schnell, wo Abweichungen liegen — sowohl in der Leistung als auch im Preis.
| Leistungsbereich | Werkstatt A | Werkstatt B | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Karosserie (Schweißen) | 3.200 € (inkl. Rostsanierung) | 2.400 € (nur Bleche, keine Hohlraumkonserv.) | Hohlraumkonservierung fehlt bei B |
| Lackierung | 6.500 € (2K Glasurit, 3 Schichten) | 5.800 € (Standox, 2 Schichten) | Unterschiede bei Schichtaufbau und Material |
| Mechanik (Motor) | 4.000 € (Teile + Überholung) | 3.600 € (nur Überholung, Teile extra) | Teile sind bei B nicht enthalten |
| Innenraum | 2.200 € (Sitzneubezug, Teppich) | 3.000 € (Originalstoffe, Reproduktion) | B bietet Originalstoffe an |
| Gesamt | 18.900 € | 15.000 € | Unklarheiten bei B erhöhen Risiko |
Rote Flaggen, auf die ich achte
- Fehlende Detailauflistung: Wenn nur Pauschalen ohne Aufschlüsselung angegeben sind.
- Keine klare Regelung für Mehrarbeiten: Wer entscheidet und wie wird abgerechnet?
- Fehlende Dokumentation: Keine Fotos, keine Teileliste, keine Protokolle.
- Sehr kurzer Zeitrahmen für umfangreiche Arbeiten — unrealistische Planung.
- Keine Nachweisbarkeit von Erfahrung: Keine Referenzen, keine Fotos realisierter Projekte.
Verhandlungen und Nachkalkulation
Wenn ich mich für ein Angebot entschieden habe, vereinbare ich vor Beginn ein gemeinsames Kick-off-Meeting. Dort werden offene Punkte geklärt, Prioritäten gesetzt (z. B. Erhalt von Patina vs. Vollrestauration) und kritische Bereiche fotografiert. Für die Nachkalkulation setze ich auf zwei Mechanismen:
- Schwellwerte: Ab einem bestimmten Betrag (z. B. 250 €) ist eine schriftliche Freigabe erforderlich.
- Regelmäßige Statusberichte: Alle zwei bis vier Wochen erwarte ich einen schriftlichen Stand mit Fotos und noch offenen Punkten.
Extras, die den Unterschied machen
Kleine Leistungen, wie das Einfetten von Scharnieren mit originalgetreuen Schmierstoffen, das Beschaffen von originalen Emblemen oder eine konservierende Hohlraumbehandlung, sind oft nicht teuer, erhöhen aber den Sammlerwert. Ich habe gute Erfahrungen mit spezialisierten Zulieferern gemacht: Für Chromteile arbeite ich mit einer lokalen Galvanik zusammen, für Ledernähte mit einer Sattlerei, die auf Oldtimer spezialisiert ist.
Praxisbeispiel aus meiner Werkstattgeschichte
Einmal erhielt ich von einer Werkstatt ein sehr günstiges Komplettangebot. Die Position für Hohlraumkonservierung war leer — auf Nachfrage kam die Antwort: „Das braucht Ihr Wagen nicht.“ Später stellte sich heraus, dass im Rahmen der Karosseriearbeiten großflächige Hohlräume geöffnet wurden. Die Nacharbeit schlug mit 1.200 € zu Buche. Seitdem bestehe ich immer auf einer expliziten Position für Hohlraumkonservierung — und zwar mit Methode: z. B. Dinitrol Innenwachs oder Wachs auf Lösungsmittelbasis, je nach Anforderung.
Praktische Mustervorlage für ein Angebot
Wenn du willst, kopiere dir diese Struktur in ein Word-Dokument und schick sie den Werkstätten vorab. Ich nutze sie als Checkliste:
- Fahrzeug: Marke, Typ, VIN
- Leistungsumfang: klare Auflistung nach Bereichen (Karosserie, Lack, Mechanik, Elektrik, Innenraum)
- Stundensatz und geschätzte Stunden
- Material- und Teilepreise (mit Herstellerangabe)
- Fremdleistungen und Nachunternehmer
- Regelung für Mehrarbeiten (Schwellenwert und Freigabeverfahren)
- Zeitrahmen und Meilensteine
- Fotodokumentation und Protokoll
- Garantiefristen
Wenn du mir möchtest, kann ich dir die Vorlage als editierbares Dokument vorbereiten oder bei der Auswertung zweier konkreter Angebote helfen. Genau wie bei Schrauben sitzt am Ende die Transparenz — und die gibt dir die Kontrolle über Zeit, Kosten und vor allem über den Erhalt deines Klassikers.