Als Kfz-Mechaniker und Restaurator habe ich so manche vermeintlich „sauber“ lackierte Karosserie geöffnet und dabei Erstaunliches gefunden: glänzende Deckschichten, darunter jedoch versteckter Rost, der sich über Jahre hinweg stillschweigend ausbreitet. In diesem Text schildere ich aus meiner Praxis, wie ich vorgehe, um verborgenen Rost unter alten Lackschichten zu erkennen, welche Werkzeuge und Methoden ich benutze und worauf ihr beim Kauf oder bei der eigenen Restaurierung achten solltet.
Warum versteckter Rost so gefährlich ist
Verborgener Rost frisst sich von innen nach außen und unterminiert Blechpartien, Nähte und tragende Stellen. Oberflächlich kann der Lack intakt aussehen, aber unter der Oberfläche lösen sich Materialien, Füller blättert ab und Schweißnähte verlieren ihre Festigkeit. Ich habe Fahrzeuge gesehen, bei denen auf den ersten Blick alles ok schien — und bei genauer Prüfung ganze Schweller und Domlager zerfielen.
Erste Sichtprüfung: was die Augen verraten
Bevor ich zu Messgeräten greife, schaue ich kritisch. Typische Hinweise auf unterlagernden Rost:
Ich nutze eine gute Taschenlampe schräg zum Blech, denn seitlich einfallendes Licht betont Unebenheiten. Auch ein Vergrößerungsglas hilft, Haarrisse und Blasen früh zu entdecken.
Abklopfen und Klangtest
Ein einfacher, aber oft unterschätzter Test ist das Abklopfen mit einem Kunststoffhammer oder einem Fingernagel. Gesundes Blech klingt klar und „hell“, mit gleichmäßiger Resonanz. Verrostete Stellen klingen dumpf oder schwammig. Ich markiere verdächtige Stellen mit Kreide und überprüfe sie später tiefergehend.
Magentest: Unterschiede bei Spachtel und Blech
Ein kleiner Magnet (oder Magnetstick von 3M) verrät schnell, ob sich unter Lack Schichten aus Füller, Polyester-Spachtel oder gar Kunststoff befinden. Spachtel hält keinen Magneten, echtes Blech schon. Wenn der Magnet nicht hält, kann das bedeuten, dass viel Spachtel auf dem Blech ist — und darunter kann sich Rost verbergen. Das ist besonders bei vorher „notdürftig“ restaurierten Fahrzeugen häufig.
Lackschichtdickenmessgerät (Paint Thickness Gauge)
Mein meistgenutztes Werkzeug zur schnellen Analyse ist ein Lackdickenmessgerät. Geräte von Elcometer oder Defelsko zeigen, wie dick die Schichten an verschiedenen Stellen sind. Plötzlich dicke Schichten deuten oft auf nachträgliche Spachtelarbeiten oder mehrere Lackierdurchgänge hin — typische Stellen, wo Rost überspachtelt wurde. Wichtig: Immer an mehreren Punkten messen (Radkästen, Scheinwerfer, Türen, Schweller).
Durchstechen und Kratztest
Wenn es die Situation erlaubt, gehe ich mit einer kleinen Ahle oder einem Schaber in eine unauffällige Kante und entferne Stücke der Lackschichten. Beim Kratzen zeigt sich oft braunes Pulver oder schwarzer Belag — eindeutige Zeichen für Rost. Hier ist Vorsicht geboten: Nicht überall darf man aggressiv arbeiten (Originalzustand, Patina). Aber bei einer ernsthaften Restaurierung ist dieser Test unverzichtbar.
UV-Licht und Lösungsmittelprobe
Ein UV-Licht kann Füller- oder Klarlackunterschiede sichtbar machen, da manche Materialien anders fluoreszieren. Außerdem nutze ich Nitroverdünner oder Isopropanol an einer kleinen Stelle. Wenn sich der Lack anlöst oder Klebstoffreste sichtbar werden, weist das auf verwendeten Polyester-Spachtel oder minderwertige Vorarbeiten hin — und damit oft auf versteckten Rost.
Endoskop / Borescope
Für schwer zugängliche Hohlräume habe ich mir ein Endoskop mit flexibler Kamera angeschafft (z. B. von Depstech oder Teslong). Damit schaue ich in Schweller, Rahmenrohre, A-Säulen und Türen. Die Bilder zeigen Korrosionsanfänge, losen Rost und Feuchtigkeit. Das ist einer meiner Lieblings-Schritte, weil er relativ wenig zerstörend ist und viel Klarheit bringt.
Feuchtigkeitsmessung und Salztest
Mit einem Feuchtigkeitsmesser prüfe ich, ob sich noch Feuchtigkeit in Hohlräumen hält — ein klares Warnzeichen. Wenn möglich (z. B. bei Verdacht auf frühere Streusalzschäden), mache ich einen Salztest mit geeigneten Teststreifen oder führe eine chemische Analyse der Ablagerungen durch. Salz fördert elektrochemische Korrosion und kann Jahre später noch Schaden anrichten.
Thermografie
Eine Wärmebildkamera (auch günstige Modelle von FLIR oder Handykamera-Aufsätze) kann Unterschiede in Wärmespeicherung zeigen. Rostige oder mit Spachtel gefüllte Bereiche speichern Wärme anders als intaktes Blech. Diese Methode nutze ich ergänzend, besonders bei großen Flächen.
Wie ich vorgehe, wenn ich Rost finde
Finde ich Rost, plane ich die nötigen Maßnahmen konservativ und strukturiert:
Praxis-Tipps aus meiner Werkstatt
Ich hoffe, diese praktische Anleitung hilft euch, besser zu erkennen, ob unter einer restaurierten Karosserie mehr schlummert als glänzender Lack. Wenn ihr möchtet, beschreibe ich in einem nächsten Beitrag konkrete Werkzeuge, Messgeräte-Modelle und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur sicheren Öffnung von Hohlräumen.