Restaurierung

Wie dokumentiere ich eine restaurierung richtig, damit sie beim späteren verkauf wertsteigernd wirkt?

Wie dokumentiere ich eine restaurierung richtig, damit sie beim späteren verkauf wertsteigernd wirkt?

Wenn ich an eine Restaurierung zurückdenke, fällt mir nicht nur der Geruch von Lösungsmitteln und heißem Öl ein, sondern vor allem ein dicker Ordner voller Fotos, Rechnungen und handschriftlicher Notizen. Eine sorgfältige Dokumentation ist für mich genauso wichtig wie das Schrauben selbst – sie macht Arbeit nachvollziehbar, schafft Vertrauen und kann beim späteren Verkauf den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Preis ausmachen.

Warum dokumentieren? Mehr als nur Papierkram

Dokumentation dient mehreren Zielen. Zunächst schützt sie den Käufer: Er sieht, was gemacht wurde, welche Teile verbaut sind und ob Arbeiten fachgerecht ausgeführt wurden. Für den Besitzer hilft sie, zukünftige Wartungen besser zu planen und Probleme schneller zu diagnostizieren. Und nicht zuletzt erhöht eine klare, lückenlose Dokumentation die Wertigkeit des Fahrzeugs auf dem Markt.

Ich habe erlebt, wie ein komplett restaurierter Peugeot 504 Coupé, den ich begleitete, auf einem Treffen deutlich mehr Interesse erregte, weil der Besitzer einen detaillierten Restaurierungsbericht zeigte. Technikbegeisterte und Investoren schätzen Nachvollziehbarkeit – das zahlt sich aus.

Was gehört zwingend in die Dokumentation?

Es gibt Elemente, die in keiner Restaurierungsakte fehlen dürfen. Ich fasse die wichtigsten Punkte zusammen, die ich selbst bei jedem Projekt sammle:

  • Vorher-Nachher-Fotos: Aus jeder Perspektive, Detailaufnahmen von Schäden, Motorraum, Unterboden, Innenausstattung und Fahrgestellnummer.
  • Rechnungen und Lieferscheine: Für Teile, Karosseriearbeiten, Lackierung, Chemikalien, Vermessung – alles aufheben.
  • Arbeitsprotokolle: Wer hat was gemacht, wann und mit welchen Stunden? Auch Hobbymechaniker sollten Zeiten und Tätigkeiten notieren.
  • Teilelisten: Seriennummern, Händler, OEM- oder Repro-Teile, Materialqualität (z. B. Edelstahl vs. verzinkter Stahl).
  • Test- und Messprotokolle: Kompressionstest, Bremsentest, Fahrwerksvermessung, Motorlaufdaten.
  • Originaldokumente und Historie: Scheckheft, TÜV-Berichte, Vorbesitzer, ältere Gutachten – digitalisiert und in Papierform.
  • Fotodokumentation: meine Arbeitsweise

    Fotos sind das Herzstück. Ich nutze meine Kamera (oder mein Smartphone mit einer guten Linse) nach einem festen Schema:

  • 1. Gesamtaufnahmen vor Beginn jeder großen Arbeit (Karosserie, Innenraum, Motor, Unterboden).
  • 2. Detailaufnahmen von Schäden, Korrosion, alten Schweißnähten und Seriennummern.
  • 3. Schritt-für-Schritt-Aufnahmen während der Arbeit: Ausbau, Reinigung, Reparatur, Einbau.
  • 4. Abschlussfotos nach jeder Baugruppe und am Ende als Gesamtbild.
  • Wichtig ist die Datumsangabe: Ich sichere alle Bilder mit Datum und, wenn möglich, mit kurzer Bildunterschrift. Es gibt praktische Apps zur Fotodokumentation (z. B. Evernote, OneNote, oder spezialisierte Tools für Werkstätten), aber oft reicht eine strukturiert benannte Ordnerstruktur auf der Festplatte: 2025-03-15_Motor_Ausbau.

    Digitale und analoge Akten: beides hat seinen Platz

    Ich kombiniere beides. Digitale Dateien sind leicht zu teilen, zu durchsuchen und sicher zu speichern (mein Tipp: mindestens zwei Backups, lokal und in der Cloud). Papierbelege geben einen haptischen Nachweis, den viele Sammler schätzen. Ich verwahre originale Rechnungen in einer Klarsichthülle im Projektordner und scanne sie zusätzlich.

    Eine einfache Struktur, die ich nutze:

  • 01_Historie – Papiere, frühere TÜVs, Verkaufsanzeigen.
  • 02_Fotos – Unterteilt in Vorher, Während, Nachher.
  • 03_Rechnungen – nach Datum sortiert.
  • 04_Teileliste – mit Lieferant und Seriennummern.
  • 05_Prüfprotokolle – Kompression, Bremsen, Fahrwerk.
  • Transparenz bei Ersatzteilen: OEM vs. Repro

    Käufer wollen wissen, ob ein Klassiker noch so original wie möglich ist oder ob moderne Materialien genutzt wurden. Ich vermerke daher deutlich, wenn:

  • Originalteile restauriert und wiederverwendet wurden.
  • Neuteile von Marken wie Brembo, Bosch oder Repro-Teile verwendet wurden.
  • Änderungen technisch bedingt oder zur Sicherheit vorgenommen wurden (z. B. 12V-Umrüstung, Scheibenbremsen statt Trommeln).
  • Bei sicherheitsrelevanten Modifikationen dokumentiere ich die Gründe, die verwendeten Komponenten und, wenn möglich, eine Freigabe oder Abnahme durch eine Fachwerkstatt.

    Wertsteigernde Elemente: welche Dokumente zählen besonders?

    Für den späteren Verkauf sind bestimmte Nachweise besonders wertvoll:

  • Fotoreihen, die den kompletten Restaurierungsprozess zeigen.
  • Originalrechnungen für große Arbeiten wie Motorüberholung, Komplettlackierung, Karosserie-Ersatz.
  • Gutachten oder Wertgutachten von Sachverständigen (DEKRA, TÜV, KÜS) oder bekannten Oldtimer-Gutachtern.
  • Originale oder originalgetreue Ersatzteile mit Belegen, z. B. ein originales Instrumenten-Set oder eine seltene Chromleiste.
  • Ein vollständiges Paket signalisiert dem Käufer: Hier wurde sorgfältig und transparent gearbeitet – das schafft Vertrauen und rechtfertigt einen höheren Preis.

    Wie präsentiere ich die Dokumentation beim Verkauf?

    Ich empfehle eine übersichtliche Mappe mit:

  • Einem Inhaltsverzeichnis (kurz und knapp).
  • Ausgewählten Schlüsselbildern (Vorher-Nachher) vorn.
  • Kopien wichtiger Rechnungen und Prüfberichte.
  • Einem kurzen, persönlichen Restaurierungsbericht (1–2 Seiten), in dem ich wesentliche Schritte, besondere Herausforderungen und verwendete Marken nenne.
  • Viele Käufer schätzen auch einen USB-Stick mit der kompletten digitalen Dokumentation und einer PDF-Version der Mappe. Das wirkt professionell und erleichtert den Austausch per E-Mail vor einem Verkaufsgespräch.

    Tipps aus der Praxis: kleine Dinge mit großer Wirkung

  • Sorgfältig lesbare Handschrift oder getippte Protokolle: Unleserliche Notizen werfen Fragen auf.
  • Stücklisten mit Teilenummern: erleichtert spätere Ersatzteilsuche und Wertermittlung.
  • Zeugen oder Werkstattbestätigungen: Handsignaturen von Meistern oder Fotos mit beschriftetem Datum sind Gold wert.
  • Farbprofile bei Lackierungen dokumentieren: Angabe von Farbnummern (z. B. PPG, Glasurit) hilft künftigen Restauratoren.
  • Persönliche Anekdote: die Sache mit dem verlegten Typenschild

    Einmal fanden wir während einer Restauration das originale Typenschild gut versteckt unter einer Dämmmatte. Hätten wir es nicht dokumentiert und wieder angebracht, wäre diese kleine Authentizitätslücke dem Käufer vielleicht nie aufgefallen – und der Wagen weniger wert gewesen. Solche Details sind oft entscheidend.

    Gute Dokumentation kostet Zeit, aber sie zahlt sich aus: Sie schützt euch rechtlich, erhöht den Verkaufswert und bewahrt die Geschichte eures Fahrzeugs. Wenn ihr Fragen zu bestimmten Dokumenten, Vorlagen oder Tools wollt – fragt mich gern. Ich teile meine Checklisten und Vorlagen gerne mit anderen Enthusiasten.

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