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Welche einfachen elektrischen prüfungen decken korrosionsprobleme an kabelbäumen bei oldtimern auf?

Welche einfachen elektrischen prüfungen decken korrosionsprobleme an kabelbäumen bei oldtimern auf?

Korrosion in Kabelbäumen ist eine der heimtückischsten Ursachen für elektrische Probleme bei Oldtimern. Oft sieht das Auto von außen völlig gesund aus, aber ein Wackelkontakt oder ein sporadisch ausfallendes Licht bereiten einen langen Tag in der Werkstatt. In meinen Restaurationsprojekten habe ich gelernt: Viele dieser Probleme lassen sich mit einfachen, elektrischen Prüfungen finden — ganz ohne teure Diagnosesysteme. Hier beschreibe ich die Prüfungen, die ich regelmäßig verwende, welche Messwerte typisch sind und wie man präzise vorgeht.

Warum Korrosion an Kabelbäumen so tückisch ist

Korrosion erhöht den Übergangswiderstand an Steckverbindungen, Litzen und Kontaktflächen. Das führt zu Spannungsabfall, Hitzeentwicklung und im schlimmsten Fall zu Schmorstellen. Besonders betroffen sind Fahrzeuge, die lange gestanden haben oder in feuchten Garagen untergebracht wurden. Ich habe schon Fälle gesehen, bei denen ein einzelner korrodierter Massepunkt das gesamte Ladesystem schwächelte — das Problem lag nicht in Lichtmaschine oder Regler, sondern in einer unauffälligen, oxidierten Masseverbindung.

Werkzeug, das ich immer dabei habe

Bevor ich loslege, stelle ich sicher, dass ich diese Basiswerkzeuge habe:

  • ein digitaler Multimeter (z. B. Fluke oder ein günstiges Modell von UNI-T)
  • eine Prüflampe / Testlampe
  • ein kleiner Schraubendreher und Steckschlüsselsatz
  • Kontaktreiniger (z. B. Kontakt 60 oder WD‑40 Kontaktreiniger)
  • Schrumpfschlauch und Lötgerät für Reparaturen
  • Mit diesen Werkzeugen lassen sich die meisten Fehlerquellen finden und oft sofort beheben.

    Sichtprüfung zuerst — das einfache Wahrheitsserum

    Bevor ich messe, schaue ich genau hin. Sichtprüfung ist oft die schnellste Methode, um korrodierte Kontakte zu erkennen:

  • Oxidierte Steckkontakte (grünlich bei Kupfer, weißlich bei Aluminium)
  • Brüchige Isolierung oder gequollene Kabelstellen
  • Sichtbare Hitze- oder Brandspuren an Steckern
  • Lockere Klemmen oder fehlende Muttern an Massepunkten
  • Wenn ich Steckverbindungen finde, die nach Feuchtigkeit oder Rost aussehen, dokumentiere ich ihre Lage — oft sitzt das Problem an mehreren nahe beieinanderliegenden Stellen.

    Kontinuitätsprüfung und Widerstandsmessung

    Die erste elektrische Prüfung ist die Kontinuität — prüfen, ob ein Leiter durchgängig ist. Ich benutze dazu den Piepser des Multimeters.

  • Messung: Multimeter auf Durchgang – Piepton zeigt Durchgang an.
  • Achtung: Vorher Batterie abklemmen, wenn Leitungen in Steuerelemente führen.
  • Danach messe ich den Widerstand (Ohm) zwischen zwei Punkten. Ein typisches Beispiel:

    LeitungsartErwarteter Widerstand
    Einzelader bis 1 m0,05–0,2 Ω
    Länge 2–5 m0,2–1,0 Ω
    Mehrere Steckverbindungen≥ 0,5 Ω deutet auf erhöhten Übergangswiderstand

    Erhöhte Werte deuten auf Korrosion oder schlechte Querschnitte hin. Wichtig: Messungen müssen an sauberen Kontaktpunkten erfolgen — sonst misst man den schlechten Kontakt zweimal.

    Spannungsabfallmessung (Voltage Drop Test)

    Das ist meine Lieblingsprüfung, weil sie reale, belastungsabhängige Fehler offenbart. Der Spannungabfalltest zeigt, ob Verbindungspunkte unter Last zu viel Spannung verlieren.

  • Vorgehen: Stromkreis einschalten (z. B. Licht, Anlasser), Multimeter auf DC-Volt.
  • Messen: Plus an Batterie, Minus am Verbraucher oder zwischen Steckern entlang der Leitung.
  • Beurteilung: Normal ist ein Drop von weniger als 0,2 V in starken Leitungen (z. B. Anlasser), weniger als 0,1–0,2 V in empfindlichen Steuerstromkreisen.
  • Wenn ich z. B. am Scheinwerfer 1 V oder mehr Unterschied messe, weiß ich: Irgendwo zwischen Batterie und Lampe sitzt Korrosion bzw. ein hoher Übergangswiderstand. Oft finde ich die Schwachstelle an einem Massepunkt oder einem Zwischenstecker.

    Der Wackeltest: mechanische Schwächen entlarven

    Korrodierte Kontakte reagieren oft auf Bewegung. Ich führe den Wackeltest so durch:

  • Elektrik einschalten (z. B. Zündung, Licht); Helfer kann reagieren.
  • Leitungen, Steckverbinder und Klemmen vorsichtig bewegen oder zusammendrücken.
  • Beobachten, ob Verbraucher flackern, ausfallen oder Spannungsschwankungen auftreten.
  • Wenn sich das Verhalten durch Bewegung ändert, ist das ein typisches Zeichen für schlechte Kontaktflächen. Ich markiere die Stellen und öffne die Stecker zur Reinigung.

    Strommessung (Stromaufnahme) — Lecks erkennen

    Ein parasitärer Stromverbrauch kann ebenfalls auf Korrosion hindeuten, besonders wenn Sicherungen dauerhaft heiß werden. Ich messe den Strom mit dem Multimeter in Serie oder mit einer Zange (Clamp-Meter):

  • Normale Standby-Ströme liegen oft unter 50–100 mA; höhere Werte (mehrere 100 mA) sind verdächtig.
  • Mit schrittweisem Ziehen von Sicherungen lokalisiere ich den Stromfresser.
  • Korrodierte Relaiskontakte können intermittierende Ströme verursachen — hier hilft oft das Ersetzen des Relais oder Saubermachen der Kontakte.

    Testlampe und einfache Funktionstests

    Die klassische Prüflampe ist unschlagbar für schnelle Sichttests: Sie zeigt direkt, ob Spannung anliegt und wie stark sie ist (Helligkeit).

  • Anwendung: Batterie+, Prüflampe an Kontakt setzen, Lampenanschluss beobachten.
  • Besonderheit: Eine Prüflampe hilft, Massefehler zu finden — leuchtet sie am Motorblock, ist Masse vorhanden.
  • Wenn die Lampe an einer Stelle deutlich schwächer leuchtet, ist der Spannungsabfall hoch — also Korrosion wahrscheinlich.

    Praktische Tipps zur Lokalisierung und Behebung

  • Immer an den Steckern messen, nicht nur an zentralen Punkten — Korrosion sitzt oft direkt im Stecker.
  • Kontaktreiniger verwenden, Steckkontakte reinigen, danach mit Kontaktschutz (z. B. Kupferpaste, Vaseline) behandeln.
  • Beschädigte Litzen verlöten und mit Schrumpfschlauch schützen — Quetschverbindungen sind bei alten Kabeln oft spröde.
  • Massepunkte blank schaben und mit Schraubenkontaktfett behandeln.
  • Bei schwerer Korrosion Stecker ersetzen — moderne Ersatzstecker von TE/AMP oder Bosch sind langlebig.
  • Ich habe häufig erlebt, dass Reinigung allein nicht ausreicht — oftmals ist das Ersetzen eines Steckers die nachhaltigere Lösung.

    Sicherheits- und Vorgehenshinweise

    Ein paar Sicherheitsregeln, die ich nie ignoriere:

  • Batterie abklemmen, wenn an empfindlichen Steuergeräten oder Sensoren gearbeitet wird.
  • Bei Messungen an Hochstromkreisen (Anlasser, Starter) Schutzhandschuhe verwenden.
  • Korrekte Sicherungen einsetzen und vor Kurzschlüssen schützen.
  • Und noch ein persönlicher Rat: Dokumentiert eure Messungen und markiert gefundene Stellen. Bei späteren Folgeschäden hilft ein Foto oder eine Notiz ungemein.

    Mit diesen einfachen Prüfungen findet man die meisten korrosionsbedingten Fehler in klassischen Kabelbäumen. Es ist erstaunlich, wie oft ein sauberer Kontakt und ein korrekter Massepunkt ein scheinbar kompliziertes elektrisches Problem lösen. Wenn ihr möchtet, beschreibe ich in einem Folgeartikel, wie ich einen kompletten Sicherungskasten überhole und welche Ersatzteile sich bei Oldtimern besonders bewährt haben.

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